Faszination Archäologie - Mystische Routen rund um die Steinzeit
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Großsteingräber „Große Steine“***
(Hünenbett I, II, III)
bei Kleinenkneten, Stadt Wildeshausen

Erlebnisroutenstation Nr. 48

Erhaltungszustand:

Hünenbett I und II beeindrucken durch einen relativ guten Erhaltungszustand:

"Hünenbett I":

Die Umfassung des rechteckigen Hünenbettes in Nord-Süd-Ausrichtung misst 49 x 7 m. Die meisten Steine sind noch vorhanden - und zwar in Originallage. Die Kammer ist mittig positioniert, ihre lichten Maße betragen 6 x 1,2 - 2 m. Sie wird aus vier Trägerpaaren gebildet, heute fehlt lediglich ein Stein. Dem entgegen hat sich allerdings nur ein Deckstein erhalten. Der Gang wird von zwei Trägersteinen gerahmt. Bis zu Ausgrabungsarbeiten in den 1930er Jahren steckte das Grab noch bis zur Oberkante der Umfassungs- und Tragsteine in der ursprünglichen Aufschüttung. Doch vermisste man bereits zu diesem Zeitpunkt die meisten Decksteine. Die Bestattungsschicht zeigte sich dagegen als beinahe ungestört.

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Hünenbett I
Oben: Grundriss, Zustand z. Zeitpunkt der Bestandsaufnahme
Mitte: Längsschnitt
Unten: Querschnitt
(nach Ernst Sprockhoff, Atlas der Megalithgräber Deutschlands. 1975, Bd. 3, Großsteingrab Nr. 957)

"Hünenbett II":

Ehemals von einer vermutlich rechteckigen Umfassung gerahmt, wurde dieses Hünenbett in Nordost-Südwest-Ausrichtung angelegt. Etwas kleiner als Hünenbett I misst seine Umfassung 34 x 6 - 8 m. Wie bei dem weniger Meter südöstlich entlegenen Grab I sind auch hier die Steine nahezu vollständig und zudem überwiegend in Originallage anzutreffen (Ausnahme: südöstliches Ende). Einzigartig für Niedersachen sind die drei, relativ vollständig erhaltenen Kammern, von deren Existenz man erst durch die Grabungen in den 1930er Jahren erfuhr.

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Hünenbett II
Grundriss, Zustand z. Zeitpunkt der Bestandsaufnahme
(nach Ernst Sprockhoff, Atlas der Megalithgräber Deutschlands. 1975, Bd. 3, Großsteingrab Nr. 958)

Exkurs: Das Rätsel der drei Kammern

Wieso aber weist dieses Grab nicht bloß eine, sondern gleich drei Kammern auf? Hier kann auch die Forschung bloß spekulieren: In anderen europäischen Staaten trifft man häufiger auf Mehrfachkammern, doch für Norddeutschland ist diese Kombination höchst ungewöhnlich. So mutmaßt man, beim Hünenbett II seien zwei ehemals unabhängig voneinander existierende Gräber durch den Bau einer mittig installierten, dritten Kammer miteinander verbunden worden.

Grabfunde des Hünenbettes II

Bei den Grabungen barg man zahlreiche, oft unversehrte Gefäße, unter ihnen mehrere Kragenflaschen. Auch stieß man auf eine flache Kupferplatte (Durchmesser: 5,5 x 2 cm) und vor allem auf eine absolute Rarität: Ein Gefäß mit mehreren Ausgusstüllen, das einzelne Forscher als jungsteinzeitliche Lampe interpretiert wissen wollen. Alle Funde sind Sie heute in Besitz des Landesmuseums für Natur und Mensch Oldenburg.

Grabfund aus Hünenbett II: Gefäß mit Ausgusstüllen, so genannte „Lampe“

Grabfund aus Hünenbett II: Gefäß mit Ausgusstüllen, so genannte „Lampe“
(Landesmuseum für Natur und Mensch Oldenburg)

„Hünenbett III“:

Wer glaubt, das willkürliche Versetzen von vermeintlich störenden Bauwerken sei eine Erfindung der letzten Jahrzehnte, irrt gewaltig: Das so genannte „Hünenbett III“ befand sich ursprünglich inmitten bronzezeitlicher Hügelgräber auf dem Dötlinger Wellohsberg, musste dort aber dem geplanten Bau einer Flugbahn weichen. So translozierte, d.h. „versetzte“ man das Grab, bzw. dessen oberhalb der Erdoberfläche sichtbare Bestandteile, bereits in den 1930er Jahren an seinen heutigen Platz.

„Große Steine“, Hünenbett III

„Große Steine“, Hünenbett III

Die Nordwest-Südost orientierte Steinkammer des „Hünenbettes III“ verfügt mit lichten Maßen von etwa 5,7 x 1,1 m über relativ bescheidene Ausmaße. An den Langseiten haben sich jeweils fünf Tragsteine erhalten. Von den Decksteinen fehlt jede Spur.

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Hünenbett III
Oben: Grundriss z. Zeitpunkt der Bestandsaufnahme
Unten: Schnitt
(nach Ernst Sprockhoff, Atlas der Megalithgräber Deutschlands. 1975, Bd. 3, Großsteingrab Nr. 947)

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