Faszination Archäologie - Mystische Routen rund um die Steinzeit
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Großsteingräber „Ahlhorner Kellersteine“**
Gemeinde Großenkneten

Erlebnisroutenstation Nr. 31

Parkmöglichkeiten

Parkmöglichkeit: bei Engelmannsbäke (ca. 2,5 km)


Öffentliche Verkehrsmittel

Öffentl. Verkehrsmittel: Nordwestbahn Wilhelmshaven/Oldenburg – Osnabrück, Bhf. Ahlhorn (ca. 9 km)
Zugang für Rollstuhlfahrer

Rollstuhleignung: fraglich (relativ große Entfernung zum Parkplatz)
Gastronomie

Gastronomie: Landgasthaus Engelmannsbäke (ca. 2,5 km)

Diese zwei, nur rund 60 m von einander entfernt liegenden Großsteingräber lohnen auf vielerlei Ebene einen Besuch: Nicht nur, dass sie mit einer vielbesprochenen Sage in Verbindung zu bringen sind. Auch mit ihrer schönen Waldlage, ihren markanten Decksteinen und ihrer Nähe zu weiteren interessanten Großsteingräbern erscheinen sie uns als besonders verlockendes Ausflugsziel. Wer den Brautweg zwischen „Visbeker Bräutigam“ (30) und „Visbeker Braut“ (55) erwandert, sollte sich die beiden imposanten jungsteinzeitlichen Grabanlagen auf keinen Fall entgehen lassen.

„Ahlhorner Kellersteine“, Grab I

„Ahlhorner Kellersteine“, Grab I
„Ahlhorner Kellersteine“, Grab II

„Ahlhorner Kellersteine“, Grab II

Anfahrt:

Radfahrer und Radfahrerinnen: Die „Ahlhorner Kellersteine“ sind in die Routen 7 und 8 der archäologischen Erlebnisrouten „Faszination Archäologie“ eingebunden. Unsere als pdf-Dokumente erhältlichen ausführlichen Routenbeschreibungen führen Sie unmittelbar zu den Großsteingräbern.
Sollten Sie mit dem PKW anreisen, parken Sie am günstigsten am Parkplatz bei Engelmannsbäke und folgen der Ausschilderung zu den Gräbern zu Fuß (ca. 3 km).

Grabgeschichte(n): Der Wunderstein von Ahlhorn

Vorab die Aufklärung eines Missverständnisses: Natürlich handelt es sich hier nicht um Kellersteine, sondern um ein Großsteingrab. Die fehlleitende Namensgebung fußt auf dem Irrglauben, hier ruhten mächtige Steine auf einem Keller.

Die irreführende Bezeichnung, aber auch die zugehörige Sage „De Wunnersteen“ bezeugen einmal mehr, dass sich die Menschen der Region zu allen Zeiten mit den Großsteingräbern auseinandersetzten und über deren scheinbar unerklärliche ursprüngliche Funktion sinnierten. Allerdings gelangten sie nicht immer zu stimmigen Ergebnissen. So entstand die Legende, einer der Decksteine habe in früheren Zeiten die niederdeutsche Aufschrift „O wunner, o wunner, Wat ligg hier woll unner?“ (Oh Wunder, oh Wunder, was liegt hier wohl drunter?) getragen. Der Sage nach rätselte man Jahrhunderte, was es mit den geheimnisvollen Steinen und ihrer Inschrift auf sich haben könnte. Vergrub der Stein gar kostbare Schätze unter sich? Niemand traute sich, den Deckstein zu bewegen. Erst lange Zeit später, erzählt man sich, hätten einige junge Ahlhorner allen Mut zusammengenommen und den Deckstein unter höchstem Einsatz ihrer Kräfte emporgehoben. Zu ihrer großen Enttäuschung fanden sie nichts. Nichts, außer der inseitigen Decksteininschrift: „Dat würd nu uck all hoge Tied, Dat ick mal keem upp de annere Siet!“ (Das wird nun auch langsam Zeit, dass ich mal auf die andere Seite komme!)

Sage: De Wunnersteen Der Wunderstein
Bi Ahlhorn upp de groten Heide,
dor lagg vörden een groten Stehen.
Mien Beßmauder ähr Urgrotvader,
De hett üm dor noch liggen sehn.
Un upp den Stehen is wisse wäsen
Een rätselhaften Spruch to läsen:
„O wunner, o wunner,
Wat ligg hier woll unner“

Wat mögg dor doch woll unnerliggen?
So hett sich männigeener fragt.
Indes, dat Beest mal upptolichten,
Hett lange doch kien Minske wagt
Un wiet und siet gung een Gemunkel
Man wat et was, bleew jümmer dunkel.
„O wunner, o wunner,
Wat ligg hier woll unner“

Da hebbt eenmal de jungen Burschen
Van Ahlhorn sick tohopedahn
Un sünd den Klotz mit Hebebömen
Un Dumkraft dull to Liewe gahn.
Un schließlich is`t ähr uk gelungen,
Se hebbt dat schwore Beest bedwungen.
„O wunner, o wunner,
Wat ligg hier woll unner“

Nu gungt ant Schuffeln un ant Grawen;
Se warkten as ut Rand un Band.
Man wat se schuffelten un gröwen,
Se funnen nicks as Steen und Sand.
Un wat se schuffelten un gröwen
Rein nicks? Dat was doch kum to glöwen!
„O wunner, o wunner,
Wat ligg hier woll unner“

Un as se sick noch banning plagten
(doch nich so iewrig mehr un drock),
Bekeek sich eener van de Burschen
De Unnersiete van den Block
Un hier is uck jo wisse wäsen
Een sonnerboren Spruch to läsen:
„Dat würd nu uck all hoge Tied,
Dat ick mal keem upp de annere Siet!“

Bei Ahlhorn auf der großen Heide
Da lag früher ein großer Stein.
Meiner Mutter Urgroßvater
Der hat ihn noch liegen seh´n.
Und auf dem Stein war gewiss
Ein rätselhafter Spruch zu lesen:
Oh Wunder, oh Wunder
was liegt hier wohl drunter?“

Was mag da wohl drunter liegen?
Hat sich manch einer gefragt.
Doch das Stück mal hochzuheben,
hat lange kein Mensch gewagt,
und weit und breit ging ein Gemunkel,
Doch was es war, blieb immer im Dunkel.
„Oh Wunder, oh Wunder,
was liegt hier wohl drunter?“

Da haben einmal die jungen Burschen
Von Ahlhorn sich zusammengetan
Und sind dem Klotz mit Hebebäumen
Und mit Kraft stark zu Leibe gerückt.
Und schließlich ist es ihnen auch gelungen,
das schwere Stück zu bezwingen.
Oh Wunder, oh Wunder
was liegt hier wohl drunter?“

Nun ging es ans Schaufeln und Graben;
Sie arbeiteten außer Rand und Band.
Und wie sie schaufelten und gruben –
Sie fanden nichts als Stein und Sand.
Und wie sie schaufelten und gruben
Rein gar nichts? Das war doch kaum zu glauben!
„Oh Wunder, oh Wunder
was liegt hier wohl drunter?“

Und als sie sich noch furchtbar plagten
(doch nicht mehr so eifrig und geschäftig),
Besah sich einer von den Burschen
Die Unterseite von dem Block.
Und hier wurde es gewiss
Ein sonderbarer Spruch zu lesen:
„Das wird nun auch langsam Zeit,
dass ich mal auf die andere Seite komme!“

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