Faszination Archäologie - Mystische Routen rund um die Steinzeit
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Hügelgräber

Glaubensrelikte der Bronze- und Eisenzeit

Ein Hügel für die Toten: Was ist ein Hügelgrab?

Hügelgräber sind Grablegen, die je nach dem ortstypischen Bodenmaterial mit Erde, Sand, Grassoden (Grasfladen) oder Steinen überhügelt wurden. In der Regel wurden sie für Einzelpersonen angelegt. Häufig wurden jedoch Nachbestattungen vorgenommen. Zur Befestigung und kultischen Begrenzung wurde der Hügelfuß oftmals mit Steinen gerahmt.

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Zeichnerische Rekonstruktion eines spätjungsteinzeitlichen Hügelgrabes in Holzhausen.
Die Ziffern markieren Grabungsfunde unterschiedlicher zeitlicher Herkunft.
(nach J. Pätzold; aus: Vom Eise befreit. Geest – reiche Geschichte auf kargem Land. Oldenburg 2002)

Datierung, Typen und Bestattungsorte

Einsame Zeugen der Vorgeschichte: Zeitliche Zuordnung

In der Wildeshauser Geest finden sich Hügelgräber, die bereits in der mittleren bis späten Jungsteinzeit (2800 bis 2000 v. Chr.) angelegt wurden (Hügelgräberfeld bei Ströhen(6)). Mehrheitlich entstammen die erhaltenen Hügelgräber der Geest der Bronze- (ca. 2000 bis 700 v. Chr.) bzw. der Vorrömischen Eisenzeit (ca. 700 v. Chr. bis Chr. Geb.) entstanden. Oft wurden sie bereits in der Bronzezeit angelegt, aber bis in die Vorrömische Eisenzeit genutzt. Da die bronze- und eisenzeitlichen Siedlungen vergangen sind, zählen Hügelgräber zu den wichtigsten Zeugnissen der Vorgeschichte. Beinahe unser gesamtes Wissen über die Bronzezeit resultiert aus ihrer Erforschung.

Rund oder länglich: Hügelgrabformen

Vorwiegend wurden die Hügelgräber in runder Form ausgebildet. Beim Hügelgräberfeld bei Einen (24) oder dem Pestruper Gräberfeld (43) finden sich jedoch auch längliche Gräber, die so genannten Langhügel. Sie entstanden, so man eine nachträgliche Verbindung zwischen zwei Rundhügeln herstellte. Mitunter stößt man jedoch auch auf Langhügel, die nur eine Urne in sich bargen, d.h. von Anbeginn in länglicher Form angelegt wurden.

Übermannshohe Erhebungen oder winzige Buckel: Die Größe der Hügelgräber

Je nach Entstehungszeitpunkt variiert die Größe der Hügelgräber erheblich. Bronzezeitliche Hügelgräber können noch heute eine Höhe von bis zu 2 m und einen Durchmesser von mehr als 20 m aufweisen. Hügelgräber der Vorrömischen Eisenzeit dagegen sind selten höher als 50 cm und werden daher markanterweise auch "Buckelgräber" genannt.

Bronzezeitliches Hügelgrab bei Ströhen

Bronzezeitliches Hügelgrab bei Ströhen
(Höhe: 2m, Durchmesser: 21 m)

Einsam oder gruppiert: Solitärhügel und Hügelgräberfelder

Unseren heutigen Friedhöfen vergleichbar wurden Hügelgräber in Gruppen angelegt. Bei den wenigen isoliert erhaltenen Einzelhügeln handelt es sich vermutlich um klägliche Reste größerer Gruppen. Die Anzahl erhaltener Hügel variiert sehr stark in der Wildeshauser Geest. Die Spannbreite reicht von Solitärhügeln bis zum größten bronze- und eisenzeitlichen Friedhof des nördlichen Mitteleuropa, dem Pestruper Gräberfeld mit rund 670 nachweisbaren Hügeln.

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Pestruper Gräberfeld

Im Einklang mit den Lebenden: Zur Lage der Hügelgräber

So unterschiedlich die Lage der erhaltenen Hügelgräber auch erscheinen mag, so sehr darf man davon ausgehen, dass die meisten Gräber in der Nähe der Lebenden, d.h. dicht bei den Siedlungen angelegt wurden. Einen wichtigen Anhaltspunkt für die mutmaßliche Errichtung in Siedlungsnähe bietet die oftmalige Lage der Gräber im Umfeld von – inzwischen mitunter verlandeten – Gewässern. Gleichwohl lässt sich heute kaum mehr ermitteln, in welcher Entfernung die Bestattungsplätze zu den Siedlungen eingerichtet wurden. Auffällig ist lediglich, dass Hügelgräber mehrheitlich – wie übrigens schon die Großsteingräber – an ehemals wichtigen Verkehrswegen liegen.

Sarg oder Urne: Bestattungsformen

Körper und Asche

Je nach Region und Zeitstellung fanden die Verstorbenen unter den Grabhügeln auf vielfältige Weise zur letzten Ruhe: In der jüngeren Steinzeit zumeist als Körperbestattungen, seit der mittleren Bronzezeit hauptsächlich als Brandbestattungen.

Boote ins Jenseits?

In den ältesten Grabhügeln der Region – etwa dem Hügelgrab beim Flughafen Ganderkesee - finden sich oftmals Baumsärge. Diese etwa 1,80 bis 2,50 langen Särge wurden aus längs gespaltenen und ausgehöhlten Baumstämmen gefertigt. Die Verstorbenen wurden hierin vollständig bekleidet in gestreckter Rückenlage gebettet und mit Schmuck oder Waffen ausgestattet. Die bootsartige Form der Baumsärge riss manchen Forscher zu der kühnen Spekulation hin, die Särge seien gezielt als Boote ins Jenseits erbaut worden.

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Baumsargbestattungen
(nach H. Piesker 1958, aus: Häßler, Hans-Jürgen, Ur- und Frühgeschichte in Niedersachsen. Stuttgart 1991)



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